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nearbuy goes Hessen. Teil 1.

Im Herbst 2022 touren wir durch Hessen und laden Euch ein zu 4 Veranstaltungen in den 4 hessischen Regionen rund um Kassel, Fulda, Wiesbaden und Marburg.

Zur Halbzeit erhaltet Ihr einen Zwischenbericht.


Erster Halt: Kastanienhof

Unsere Rundreise beginnt am 12.10.2022 im Kasseler Großraum. Auf dem Kastanienhof bei Wolfhagen haben wir mit Unterstützung durch Silke Flörke von der Ökomodell-Region Nordhessen das Thema "Vielseitige Anforderungen & Lösungen für die regionale Beschaffung" ins Zentrum gestellt. Im Gespräch haben René Müller vom Bio-Restaurant Weissenstein, Gerhard Hüppe vom Kastanienhof, Christian Berdi von Highland Cattle Weidelsburg, Timo Opfermann vom Birkenhof und Silke Flörke von der Ökomodell-Region Nordhessen über ihre Erfahrungen in der regionalen Zusammenarbeit, über gutes und nicht so gutes Zusammenspiel, berichtet.


Von Mensch zu Mensch

Alle Teilnehmenden haben viel Persönliches beigetragen und mit kleinen Anekdoten das Gespräch aufgelockert. Es ging zum einen um die großen Ziele für das nächste Jahr, wie z.B. einen Schälbetrieb gründen und regionale Verarbeitungsangebote schaffen. Zum anderen durften wir erfahren, wie die Zeit der geschlossenen Gastronomie während der Pandemie dafür genutzt wurde, sich neu und vor allem regional aufzustellen (Dank an den Renthof Kassel), und dass eine Einladung zum Abendessen an Annalena Baerbock ein persönlicher Wunsch ist. Es gab auch einen tollen Erfolg zu feiern: Herzlichen Glückwunsch für den Bundespreis "Blauer Kompass" an den Hof Tolle.


Ein Teil der Entwickler*innen vom IT Partner Ninjaneers war ebenfalls angereist, um die Vorstellung der neuen Funktionen von nearbuy zu begleiten. "Es motiviert uns sehr, hautnah mitzuerleben, dass das, was wir tun, gebraucht wird. Im Arbeitsalltag erhalten wir die Bedürfnisse der Betriebe meist schon aufbereitet durch das nearbuy Team." resümiert Hüseyin Sevim.


Zweiter Halt: Hannheinehof

Knapp eine Woche später, am 17.10.2022, waren wir auf dem Hannheinehof bei Fulda. Gemeinsam mit Simone Müller von der Ökomodell-Region im Landkreis Fulda waren wir im Gespräch mit Christoph Jestädt vom Hannheinehof, Roger Andres, Leiter der Betriebsverpflegung der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH, sowie Marita Böhringer von der Hochschule Fulda. Die zentralen Fragen waren: Welche Rolle spielen regionale Bündler für die Außer-Haus-Versorgung und was können wir alle tun, um die gebündelte Lieferung sicherzustellen?


Überraschung!?

Dass Abnehmer*innen, die viele Lebensmittel regional beschaffen, auf eine gebündelte Belieferung angewiesen sind, hören wir immer wieder. Überrascht hat uns daher an diesem Tag der Bericht eines Bündlers von Molkereiprodukten: Die Betriebe seien nicht mehr auf ihn angewiesen, weil sie die Eigenvermarktung ausgebaut haben. Das freue ihn zwar für die Betriebe, aber sein Kühlwagen bleibt nun unausgelastet.

Auf der einen Seite ist die gebündelte Belieferung Voraussetzung für ein breites regionales Speisenangebot, auf der anderen Seite fehlt sie jedoch. Wir sehen: Der Markt ist dynamisch und es braucht flexible Lösungen.


Wie kann regionale Zusammenarbeit gelingen?

Die Antwort auf die Frage, wie regionale Zusammenarbeit funktionieren kann, lässt sich in drei wesentliche Erkenntnisse aus den beiden Veranstaltungen zusammenfassen:


Die Sichtbarkeit beider Seiten, Anbieter*innen und Abnehmer*innen, ist der erste Schritt in Richtung regionale Zusammenarbeit

Pressemeldungen in Lokalzeitungen, Aufbau einer eigenen Webseite und Veranstaltungen, die neue Begegnungen möglich machen, sind wichtige Medien für Erzeuger*innen, Lebensmittelverarbeiter*innen und Bündler*innen, um sichtbar zu sein und gefunden zu werden.


Das Problem: Die Betriebe sind so nur punktuell sichtbar und es kostet viel Zeit, sich einen Überblick zu verschaffen und ihr Sortiment sowie ihre Verarbeitungsangebote mit den eigenen Bedarfen abzustimmen. Dieser Aufwand ist für viele Betriebe nicht immer zu leisten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Abnehmer*innen mit ihrem Bedarf nach regionalen und verarbeiteten Produkten für die Anbieter*innen in ihrer Region meist unsichtbar bleiben. Dabei wünschen sich die Erzeuger*innen, Lebensmittelverarbeiter*innen und Bündler*innen, dass die Beschaffenden mit ihren Wünschen auf sie zukommen und ihren Bedarf frühzeitig mitteilen. Ein Wandel, wenn auch ein kleiner, ist hier schon spürbar: Alle Teilnehmenden der Veranstaltungen berichteten, dass immer mehr Kantinen, Restaurants und Läden auf die Anbieter*innen zugehen.


Dieses Thema hatten wir bereits im Rahmen der User Workshops im Jahr 2019 aufgenommen. Darum besitzt das digitale Werkzeug nearbuy als zentrales Element einen digitalen Marktplatz, auf dem jeder Betrieb im Zentrum seiner eigenen Region steht. Dort erhält er nicht nur eine Übersicht über alle teilnehmenden Betriebe -Anbieter*in, Bündler*in und Abnehmer*in - im Umkreis, sondern auch deren aktuelle Angebote und Produktgesuche sowie den künftigen Bedarf nach regionalen und verarbeiteten Lebensmitteln. // Erklärvideo ansehen //

Der digitale Marktplatz ist ein ergänzendes Element zu den abwechslungsreichen Vernetzungsveranstaltungen und insbesondere für den Betriebsalltag hilfreich.


Ohne wertschätzenden Umgang und Verständnis füreinander kann die Zusammenarbeit nicht funktionieren

Man möchte meinen, dass jede*r Erzeuger*in, Verarbeiter*in und Bündler*in um die (noch zu) wenigen Abnehmer*innen kämpft, die regional beschaffen möchten.

Doch wir wurden eines Besseren belehrt: Die Anbieter*innen pflegen untereinander einen kooperativen Umgang.


Ein Beispiel: Ein Koch einer Schulmensa suchte große Kartoffeln, die sich gut als Ofenkartoffel eignen. Der Birkenhof konnte keine ausreichende Menge anbieten und schlug dem Koch vor, sich bei einem befreundeten Hof zu erkundigen oder als Alternative zu den Ofenkartoffeln Drillinge zu servieren. Auch der befreundete Hof konnte nicht mit großen Kartoffeln in ausreichender Menge dienen, also wurden der Speisenplan angepasst und Drillinge in der Schulmensa angeboten. Das Ergebnis: Die kleinen Kartoffeln sind so beliebt bei den Schüler*innen, dass sie bereits seit zwei Jahren in Folge in der Mensa angeboten werden.


Dieses Beispiel zeigt auch sehr schön, dass die Planung des Speisenangebots nicht im stillen Kämmerlein passieren muss. Der Erfahrungsaustausch über Verwendungs- und Zubereitungsmöglichkeiten regionaler (Bio-)Produkte mit den Hersteller*innen, die ihre Produkte besonders gut kennen, führt nicht selten zu neuen Ideen.


Ein weiteres Beispiel: Eine Mühle vermahlt Getreide zu Mehl, Grieß und Schrot, wobei Kleie als sogenanntes Abfallprodukt anfällt. Der Betreiber schlug im Rahmen der Veranstaltung einer Sozialeinrichtung vor, Kleie für die Panade zu verwenden, weil sie gesund ist und sie selbst damit gute Erfahrungen gemacht haben. Der Leiter der Sozialeinrichtung kannte diese Variante noch nicht und beide haben sich noch vor Ort dazu ausgetauscht. Wir sind gespannt, ob aus diesem Austausch ein Küchenexperiment wird.


Dr. Anna-Mara Schön und Marita Böhringer von der Hochschule Fulda haben es so schön auf den Punkt gebracht: Es braucht eine mutige Speisenplanung. Das klingt nach einem guten Thema für gemeinsame Folgeveranstaltungen :)


Die regionale Logistik kann durch Kooperationen besser aufgestellt werden

Der konventionelle Großhandel macht es vor: Die Lebensmittelbeschaffung ist einfach wie noch nie und die Ware kommt mit einer Lieferung. Für die Beschaffung regionaler und Bio-Lebensmittel ist es oft nicht so einfach. "Nehmen wir uns den konventionellen Großhandel also zum Vorbild.", schlägt Christoph Jestädt vom Hannheinehof vor.

Er bündelt bereits und würde seine Bündlerrolle gerne ausbauen. Aber es fehlt ein Kühltransporter und die bereits fahrenden Lieferwagen haben noch Platz.


Damit die Bündelung von regionalen und Bio-Lebensmitteln künftig besser aufgestellt werden kann, braucht es also mehr Zusammenarbeit in der regionalen Logistik: Wenn Lieferkapazitäten nicht ausgelastet sind, können sie genutzt und Ware anderer mitgenommen oder der Fuhrpark geteilt werden.


Für uns heißt das: Mit dem geplanten Marktplatz für freie Lieferkapazitäten sind wir auf dem richtigen Weg und können die Zusammenarbeit in der regionalen Logistik sinnvoll unterstützen.


Impressionen der Tour "nearbuy goes Hessen"


Lasst uns gemeinsam laut werden!

Ein Wunsch der Teilnehmenden war es, unserem gemeinsamen Anliegen, regionale Wertschöpfungsstrukturen zu gestalten, immer wieder Gehör zu verschaffen und gemeinsam lauter zu werden. Was können wir also tun?


Die Ökomodell-Regionen sind das Sprachrohr in die Landesverwaltung, die Ernährungsräte in die Kommunalverwaltungen und die Forschungseinrichtungen können repräsentative Belege vorlegen.

Damit wir von nearbuy Eure Bedürfnisse sichtbar machen und Eure Forderungen angehen können, sind wir darauf angewiesen, dass Ihr sie mit uns teilt. Im Rahmen von Förderprogrammen können wir Nöte aufzeigen und uns gemeinsam mit Euch auf Fördermittel bewerben, um die Situation zu verbessern und Schwierigkeiten zu beseitigen.


Gemeinsam sind wir stärker. Teilt Euch mit, Ihr seid nicht alleine, und macht mit, wenn es Euch möglich ist.


Euer nearbuy Team